Social Media für die Buchbranche: Bringen Twitter & Co. wirklich Leser?

Verkaufen Verlage mehr Bücher, wenn sie sich im sogenannten Social Web engagieren?  Bringen Twitter und Facebook tatsächlich neue Leser?  Welche Social Media-Maßnahmen kann ein Autor ergreifen, um sein Buch den Lesern nahe zu bringen?  Das waren die zentralen Fragen gestern in München, wo die Buch-Community LOVELYBOOKS im Literaturhaus das erste branchenübergreifende Social Web-Event  “Der direkte Kontakt zum Leser” veranstaltete. Die Resonanz der Branche war riesig: über 135 Teilnehmer, Verlagsmitarbeiter, Buchhändler, Autoren und Lektoren hatten den Weg in das  extrem gut bewachte München gefunden.  (Die Sicherheitskonferenz fand nur einige Häuserzeilen weiter statt.)

Wie erklärt man Twitterern Twitter?

Eine spannende Veranstaltung, angefangen bei Leander Wattig, dessen Arbeit ich schon lange schätze. Er hatte die in meinen Augen recht undankbare Aufgabe, eine Einführung in die Welt des Social Web zu geben. Undankbar deshalb, weil die Vorkenntnisse der Teilnehmer doch recht weit auseinander gingen – von “Für mich ist das alles neu” bis ” Machen wir seit Jahren” war alles vertreten.  Für viele enthielt der Vortrag daher nicht viel Neues.  Ähnlich schwierig war es sicher auch für die Herren Horvath (morgenjungs) und Pfeiffer (Webevangelisten), die dem größtenteils sehr versierten Publikum Tipps und Tricks für den Umgang mit Facebook und Twitter geben sollten.

Ich habe bereits wärend des ersten Vortrags eine persönliche Erkenntnis gewonnen: Ich bin nicht so multitaskingfähig, wie ich eigentlich dachte. Ursprünglich war mein Plan, mich an der großen Live-Twitterei rund um das Event zu beteiligen (#BuchSW). Mein schickes neues Netbook auf den Knien habe ich dann aber doch recht schnell gemerkt, dass Vortrag hören, Folien des Referenten ansehen, die Live-Twitterwall verfolgen und selbst twittern meine Kontrationsfähigkeit dann doch übersteigt :-) ). Ganz im Gegenteil zu meiner Nachbarin, die ununterbrochen twitterte. Unglaublich, in welcher Schnelligkeit.  (Während ich mit meiner “Lektorenkrankheit”  den einzigen Tweed, den ich von der Veranstaltung twitterte, noch dreimal auf Schreibfehler überprüft habe. :-)

Leser sind nicht auf  Twitter

Später wurde dann aber klar, dass die Dame darin offenbar richtig bewandert war – es handelte sich nämlich um Susanne Martin, die Inhaberin der Schiller-Buchhandlung in Stuttgart.  Sie berichtete in einem sehr spannenden Vortrag, wie sie Twitter, Facebook und XING für ihre Buchhandlung einsetzt. Und das, man höre und staune, ca. 1 1/2 Stunden am Tag neben der persönlichen Kundenberatung im Laden. Ihrer Meinung nach seien die Kunden aber nicht über Twitter zu erreichen, man könne sich jedoch ein tolles Netzwerk mit Autoren, Verlagen und anderen Buchhändlern aufbauen.

Sehr interessant war auch der Bericht von Nina Reddemann vom Hanser Verlag, die eigens vom Verlag für den Bereich Social Media eingestellt wurde und dort unter anderem für Verlag und Autoren die Facebookseiten pflegt. Toller Job! Und ein sehr sympathischer Praxisbericht.

Macht Twitter süchtig?

Nach dem Mittagessen kam dann mein persönliches (und unerwartetes) Highlight: DER Andreas Franz, einer meiner Lieblingskrimiautoren, wurde gebeten, seinen ersten Tweed zu twittern (@krimifranz ). So richtig stand er aber wohl nicht hinter der ganzen Sache, schien mir. :-) Zumindest erklärte er, er habe das Gefühl, dieses ganze Zeug mache doch auch irgendwie süchtig. Schlimm genug, dass er seinen Rechner jeden Morgen schon vor dem Frühstück anmache. Und wenn er jetzt auch noch twittere, komme er gar nicht mehr zum Bücher schreiben. Ich weiß genau, was Sie meinen, Herr Franz. Trotzdem, sehr cooler Typ – seinen nächsten Krimi kaufe ich auf jeden Fall.

Und das gilt auch für das Buch des nächsten Krimiautors, der die Bühne des Literaturhauses betreten hat: Markus Rafelsberger aus Wien. Er berichtete, mit welchen Social Media Tools er das Erscheinen seines neuen Krimis “Menschenteufel” gepusht hat.

Mein Fazit: Die Frage, ob sich der Einsatz im Social Web tatsächlich lohnt, stellt sich wohl jeder. Und so richtig hatte niemand auf der Veranstaltung eine Antwort parat. Auch die optimale Social Web-Strategie hat wohl noch keiner gefunden.  Überall wird getwittert, ausprobiert, getestet, ausgewertet. Dabei sein ist alles.  Interessanterweise wurde die Frage nach dem Nutzen von mindestens vier der Referenten mit “Es hat mir immerhin diese Einladung beschert” beantwortet. Für mich persönlich ist das Social Web ein weiteres PR-Instrument, das Spaß macht, und auch für Kontakte sorgt, die man sonst vielleicht nie gemacht hätte.

Danke an die Veranstalter von Lovelybooks, war eine tolle Sache. Dass die Technik gestreikt hat, ok … Kann passieren.

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Kommentare

6 Kommentare zu “Social Media für die Buchbranche: Bringen Twitter & Co. wirklich Leser?”

  1. Stephanie Kaufmann am Februar 6th, 2010 18:17

    :-) genau so war es!

  2. Frauke Ehlers am Februar 6th, 2010 21:04

    Sehr schöne Zusammenfassung des Events. Sie haben es sehr gut getroffen ich saß dann auch fast neben Ihnen.
    Herzliche Grüße,
    Frauke Ehlers

  3. admin am Februar 7th, 2010 16:45

    Hallo Frau Ehlers, vielen Dank für den Kommentar. Ich war in der Tat sehr beeindruckt von Ihnen und von Frau Martin, wie virtuos und vor allem in welcher Geschwindigkeit Sie die Twitterei betrieben haben. Respekt! Alles in allem war es doch eine spannende Veranstaltung.
    Viele Grüße
    Claudia Wanzke

  4. sato am Februar 7th, 2010 21:06

    Ich kann die Einschätzung von Frau Ehlers nur unterschreiben.

    Mir hat auch Ihr persönlicher Blick auf das Event gefallen, zum Teil habe ich mich darin wiedergefunden. An Twittern war gar nicht zu denken, weil ich schon damit überfordert war, Wireless Card und WLAN vor Ort miteinander bekanntzumachen. :mrgreen: Das hat aber der Freude an der Veranstaltung keinen Abbruch getan.

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