Wie viel Redigieren ist erlaubt?

Wo liegen die Grenzen des redaktionellen Bearbeitungsrechts? Darf ein Zeitschriftenredakteur einen Text komplett umformulieren und gegen den Willen des Journalisten, des Autors, veröffentlichen? Nein, sagte kürzlich das Landgericht Hamburg in einem Urteil vom 22.10.2010 (Az: 308 O 78/10).

Hier hatte ein freier Journalist für das Magazin GEO einen Artikel geschrieben – das Thema: Deichbau in den Niederlanden. Als die erste Version nicht überzeugte, sendete der Autor eine zweite Version an die Redaktion. Die Druckversion, die er dann jedoch zur Freigabe erhielt, war komplett überarbeitet – praktisch nicht wiederzu erkennen. Als der Autor die Veröffentlichung des Textes ablehnte und um einen angemessen redigierten Artikel bat, erklärte ihm der Chefredakteur, dass der Text notfalls ohne den Namen des Journalisten bzw. unter einem Pseudonym veröffentlicht werden würde. Der Autor klagte auf Unterlassen der Veröffentlichung.

Kein Wort mehr auf dem anderen?

Nach Ansicht der Hamburger Richter hat die Redaktion nicht lediglich einzelne Sätze umformuliert, sondern große Teile des Textes umgeschrieben. Kaum ein Satz des Klägers sei wortwörtlich übernommen worden. Es sei auch nicht ersichtlich, dass diese Umformulierungen sämtlich notwendig waren, um den Text veröffentlichen zu können. Weiterhin heißt es in den Gründen: § 2 UrhG schützt nicht die hinter dem Sprachwerk stehende Idee oder seinen Sinn, sondern vor allem den Sprachstil eines Werkes als Teil der geistigen Leistung des Urhebers. Diesen Sprachstil habe die Redaktion grundlegend und umfassend verändert. Hierdurch habe sie den vertraglich nicht übertragbaren Kern des Urheberrechtes des Jorunalisten – sein Urheberpersönlichkeitsrecht – verletzt.

Bearbeitung unzulässig

Im Klartext bedeutet das: Stimmt der Autor der Bearbeitung seines Textes nicht zu und kann die Redaktion nicht belegen, warum die Änderungen unumgänglich waren, dann ist die Bearbeitung aufgrund der Verletzung des Urherberechts unzulässig. Und: Der Autor hat nach § 14 UrhG das Recht, eine Entstellung oder eine andere Beeinträchtigung seines  Werkes zu verbieten, die geeignet ist, seine berechtigten geistigen oder persönlichen Interessen am Werk zu gefährden.

Den Volltext des Urteils können Sie zum Beispiel hier nachlesen.

Ein interessantes Interview mit dem Kläger, dem Journalisten Christian Jungblut, lesen Sie hier.

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